Psalm 119 - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Psalm 119

Austausch über die Bibel XXXII


Eines Tages kamen wir darauf, dass wir das gleiche Psalmenbüchlein lesen: grün, handlich, mit David drauf, der gerade Harfe spielt
(Der Psalter, Deutsche Bibelgesellschaft © 2001, Einbandgestaltung: Mats Bergen Wien).
Seither erzählen wir einander immer wieder einmal, was wir gerade lesen. Das hört sich dann zum Beispiel so an:

Anruf Nr. 1:
„Ich bin gerade dabei, den Psalter von vorne bis hinten durchzulesen, jeden Abend ein bisschen.“
Ich: „Gute Idee!“

Anruf Nr. 2:
„DER ist ja niedlich. Wie ein Ringelschwanz. Einmal rum und Schluss!“
Ich: „Du meinst bestimmt Psalm 117?!“

Anruf Nr. 3:
„DER hört ja überhaupt nicht mehr auf!“…

Wer errät,
um welchen Psalm es sich handelt,
hat gewonnen!


Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Was uns trägt - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Was uns trägt…
Austausch über die Bibel XXXI

Wir waren zu viert und stiegen nach einer Abendveranstaltung ins Auto, um wieder nach Hause zu fahren. Zwei vorne zum Fahren und Lotsen, zwei hinten zum Gefahrenwerden und gemütlichen Plaudern.

Man hat ja mittlerweile aufgehört, sich darüber zu wundern, dass das funktioniert: Man sitzt bequem auf einer Rückbank, die auf irgendwas steht, das wiederum auf Rädern ruht, die über die Erde rollen; draußen ist es dunkel, manchmal sausen Lichter vorbei, um einen herum summt und brummt es ein bisschen. Alles in allem bewegt man sich ohne auch nur den kleinsten Finger zu rühren von einem Ort zum andern. Man schaut nicht rechts und nicht links und ist obendrein in Gedanken komplett woanders.
Wir zwei auf der Rückbank hatten schnell heraus, dass wir beide Leseratten sind und waren in Gedanken bei Büchern. „Das finde ich einfach wunderschön“, sagte meine Nachbarin:

„Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug.“


„Irgendwie kommt mir das bekannt vor“, sagte ich. „Das ist von Hilde Domin“, sagte sie, „es steht quasi als Motto vor ihrem ersten Gedichtband
‚Nur eine Rose als Stütze‘.“
„Es erinnert mich daran, wie Jesus übers Wasser ging und Petrus an seiner Hand dann auch“, sagte ich. „Irgendwie kommt mir das bekannt vor“, sagte sie. „Das ist in der Bibel“, sagte ich, „es steht bei Matthäus 14,22-33, Markus 6,45‒52 und Johannes 6,15‒21.“

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“ - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“
Psalm 121,1

Austausch über die Bibel XXX


Carl Zuckmayer hebt nicht nur seinen Blick zu den Gipfeln, sondern macht sich im wahrsten Sinne des Wortes auf den Lebensweg hinauf. Geboren in 84 Meter Seehöhe in Nackenheim am Rhein, atmet er in seiner Berliner Zeit schon etwas höhere Luft: es heißt, die Stadt bringt es auf bis zu 115 Meter über dem Meer. Wunderbare Jahre verlebt er in Henndorf am Wallersee auf Höhenmeter 551. Nach einigen Jahren Exil in Barnard/Vermont, Höhenmeter 407, entscheidet er sich endgültig für die Welt der Berge und lässt sich in Saas-Fee/Kanton Wallis nieder, dem Gipfel seines Lebens: sage und schreibe 1798 Höhenmeter!

In seinen Erinnerungen, dem Buch
„Als wär’s ein Stück von mir“, nimmt er uns mit auf all diesen Wegen. In „Die Hohe Stiege“, dem letzten Kapitel dieses Buches, formuliert er seine ganz persönliche Fortsetzung des uralten Psalmverses: „Ich schaue ins Tal, dort laufen die Wege zusammen, die vielfach verschlungenen, die ich gegangen bin, und ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: dahinter ist die Unendlichkeit, welche durch alle Weltraum- und Kernforschung nie ganz ergründbar sein wird, so wie der Tod, der Austritt aus dem bewussten Leben, der große Übergang, durch alle Findung der Biologie und Genetik nie seines letzten Geheimnisses entkleidet.“

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Meine biblischen Lieblingsgeschichten XII . - Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Meine biblischen Lieblingsgeschichten XII

Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.


Die Heilung der gekrümmten Frau – Lk 13,10-17


Wie mag es einem Menschen gehen, der nicht mehr aufrecht gehen kann, der nicht mehr geradeaus schauen kann, der mühsam den Kopf heben muss, um sein Gegenüber anzuschauen?

Von einer solchen Person erzählt der Evangelist Lukas. Jesus trifft in der Synagoge eine Frau, deren Rücken seit 18 Jahren verkrümmt ist. Jesus fackelt nicht lange, er legt der Frau die Hände auf und erlöst sie von ihrem Leiden. Er richtet sie wieder auf, damit sie in der Lage ist, Gott zu preisen.

Also ein schnelles Happy End? Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn Jesus hat die Frau an einem Sabbat geheilt. Der Synagogenvorsteher ist wütend. Vielleicht war der Gottesdienst gestört, aber auf jeden Fall seine Sabbatruhe. Denn am Sabbat irgendeine Arbeit zu tun, also auch Kranke zu heilen, die nicht vom Tod bedroht waren, war verboten.

Jesus stört sich einmal wieder nicht an Verboten, wenn einem Menschen durch diese Verbote ein heilsames Leben verwehrt ist. Die Frau sollte gerade schon am Sabbat die Möglichkeit haben, aufrecht vor Gott zu stehen und zu ihm zu beten, nicht erst am Montag oder in einer Woche. Jesus begegnet dieser Frau durch die Heilung auf Augenhöhe und verändert dadurch ihr Leben.

Wie oft lasse ich mich von Vorschriften leiten und verpasse eine Chance, wirklich etwas zu verändern? Jesus zeigt uns einen anderen Weg.

Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Wenn Worte fehlen… - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Wenn Worte fehlen…

Austausch über die Bibel XXIX


Wenn Worte fehlen,
„so nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.“ (Römerbrief 8,26)

Wenn Worte fehlen, kann man auch einstimmen in Worte derer, die vor uns waren. Das Friedensgebet der Gemeinschaft Sant‘ Egidio am Freitag 25.2.2022 in der Basilika S. Maria in Trastevere in Rom begann mit dem Gesang von Psalm 45. In deutscher Sprache finden wir ihn nach unserer Zählung als

Psalm 46
Gott ist uns Zuflucht und Stärke,
als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten.
Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt,
wenn Berge stürzen in die Tiefe des Meeres;
mögen seine Wasser tosen und schäumen
und vor seinem Ungestüm Berge erzittern.
Eines Stromes Arme erfreuen die Gottesstadt,
des Höchsten heilige Wohnung.
Gott ist in ihrer Mitte, sie wird nicht wanken.
Gott hilft ihr, wenn der Morgen anbricht.
Völker tobten, Reiche wankten;
seine Stimme erscholl, da muss die Erde schmelzen.
Mit uns ist der HERR der Heerscharen,
der Gott Jakobs ist unsre Burg.
Kommt und schaut die Taten des HERRN,
der Schauder erregt auf der Erde.
Er setzt den Kriegen ein Ende bis an die Grenzen der Erde.
Den Bogen zerbricht er, die Lanze zerschlägt er;
Streitwagen verbrennt er im Feuer.
Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin,
erhaben über die Völker, erhaben auf Erden!
Mit uns ist der HERR der Heerscharen,
der Gott Jakobs ist unsre Burg.


Den in italienischer Sprache mehrstimmig gesungenen Psalm findet man unter dieser Adresse:

www.santegidio.org/pageID/30284/langID/de/itemID/46765/Friedensgebet-f%C3%BCr-die-Ukraine-in-Santa-Maria-in-Trastevere-Meditation-Andrea-Riccardi-zu-Apk-9112.html


Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Meine biblischen Lieblingsgeschichten XI - Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Meine biblischen Lieblingsgeschichten XI

Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

Maria sagt „JA“ - Lk 1,26-38


Kurz bevor unsere christliche Zeitrechnung begann, hofften viele junge Frauen in Israel, dass sie diejenige sein würde, die den Messias zur Welt bringt. Das Land war von den Römern besetzt, die die Bevölkerung mit hohen Steuern und Abgaben schikanierte. Die Juden sehnten sich nach dem Messias, der die Römer aus dem Land vertreiben und Israel zu neuer Blüte führen sollte.

Aber manchmal ist die Erfüllung eines Wunsches gar nicht so einfach zu verkraften. So mag es Maria gegangen sein. Eine junge Frau, verlobt mit einem Mann aus dem Hause Davids, erhält unerwartet – wer würde schon so etwas erwarten! – Besuch von einem Engel. Dieser prophezeit ihr, dass sie von Gott auserwählt wurde, den Messias zu gebären. Wie erschrocken muss Maria gewesen sein vor dieser gewaltigen Aufgabe. Lukas schildert die Begegnung nur knapp. Aber er lässt Maria eine Gegenfrage stellen: Wie kann das geschehen? (V34). Der Engel versucht sie zu überzeugen, sagt ihr Gottes Hilfe zu und Maria sagt „JA“.

Mir gefällt an dieser Geschichte, dass Maria nicht einfach demütig ja sagt und dass ihre Bedenken ernst genommen werden. Der Engel stülpt ihr nicht einen Befehl Gottes über, sondern überzeugt sie durch Argumente und die Zusage, dass sie nicht allein ist.

Wir müssen nicht zu allem sofort Ja und Amen sagen. Wir dürfen unsere Ängste und Bedenken äußern. Gott nimmt uns ernst mit allem, was zu uns gehört.

Beitrag von Doris M. Bömken, Lic.Theol.

„Es war in der Zeit…“ - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

„Es war in der Zeit…“

Austausch über die Bibel XXVIII


Das Leben führte meine Freundin aus uralten Kindertagen und mich auf ganz verschiedenen Wegen. Gemeinsam blieb uns bis heute das Lesefieber.

Vor kurzem telefonierten wir. Enthusiastisch erzählte ich ihr von meinen neuesten Entdeckungen: Bibelzitate bei Harry Potter, bei Karl May und Carl Zuckmayer, bei Astrid Lindgren, bei Dorothy L. Sayers, bei der, bei dem und bei bei bei…
Sie wollte mir einen Gefallen tun und machte an passenden Stellen Geräusche wie WOW und SUPER.

Dann erzählte sie: Eines ihrer Lieblingsbücher ist
„Krabat“ von Otfried Preußler und ob ich das kenne. Ich konnte mich deutlich an den Einband und dunkel an eine schnelle Lektüre erinnern (wenn’s wahr ist).

Einige Tage später kam eine Postsendung von ihr, darin
„Krabat“ und ein Brieflein: „Wie ich dich kenne, findest du da auch wieder jede Menge Religion!“

Ich schlug das Buch auf und las den ersten Satz:
„Es war in der Zeit zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag … Dreikönige … Bethlehemstern … Hosianna Davidssohn! ...“

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Besinnliche Adventszeit und frohe Weihnachten!

Projektgruppe Biblia wünscht
gesegnete Weihnachten und ein gutes Neues Jahr!

Weihnachten 2021

Weihnachtsaktion Gefängnisseelsorge

..und trotzdem bleibt Gott seinem Volk treu. Er begleitet es überall hin,.. („2. Buch Mose Exodus)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gefängnisseelsorge ist Auftrag und Sendung der ganzen Kirche. In Österreichs Haftanstalten sitzen derzeit rund 33%, d.s. ca. 2.500 Personen nicht aus dem EU Raum. Für viele der Inhaftierten ist die Bibel in ihrer jeweiligen Muttersprache ein Anker, ein Bezug zu Ihrer Heimat und in vielen Fällen eine Hilfe, die Sprache im Vergleich mit der deutschsprachigen Bibel, zu lernen.

Mit unserer
Weihnachts- und Jahresaktion unterstützt die Projektgruppe Biblia dieses Anliegen. Der Aufwand für die Anschaffung weiterer fremdsprachiger Ausgaben liegt bei € 2.500,-.

Wir bitten Sie herzlich um Ihre geschätzte
Unterstützung und bedanken uns für Ihre Treue. Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute und Gesundheit für das Jahr 2022!

Jetzt spenden.
 
„Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen" Hebr 13,3

Danke und Gott vergelt's,
Ihre Projektgruppe Biblia

Ich verkünde große Freude - sechzehnmal!!! - Beitrag von Sr. Mirjam Dinkelbach OCist

Ich verkünde große Freude - sechzehnmal!!!

Austausch über die Bibel XXVII



„Ich verkünde große Freude,
die euch widerfahren ist,

denn geboren wurde heute
euer Heiland Jesus Christ!“


So lautet die erste Strophe von Karl Mays Gedicht ‚Das Weihnachtslied‘.
Wer hat nicht die Worte des Engels im Ohr:
„Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ Die Worte des Weihnachts-Evangeliums nach Lukas 2,10f.

„Zwei Bibelworte sind es vorzugsweise“, so erzählt Karl May am Anfang von ‚Weihnacht’, „die, als ich noch ein Kind war, aus dem Mund der alten, frommen Großmutter einen unauslöschlichen Eindruck auf mich machten… Der eine Spruch lautet Hiob 19,25…, und der zweite ist eben die Verkündigung des Engels: ‚Siehe, ich verkünde euch große Freude – denn euch ist heute der Heiland geboren -.‘ Der Eindruck dieser Stellen auf mich war so groß, daß ich – in noch ganz unreifem Alter – beide vertont und über die zweite auch noch ein Gedicht“ gemacht habe.

Das vollständige Gedicht mit seinen 24 Strophen findet man z.B. in Karl Mays Büchern „Lichte Höhen“ oder „Glocken klingen nah und fern“. Auszugsweise steht es auch in seinem Buch „Weihnacht“, aus dem ich hier zitiert habe - wenn ich mich nicht verzählt habe, heißt es darin sechzehnmal
„Ich verkünde große Freude“, entweder im Wortlaut des Evangeliums oder der ersten oder letzten Strophe des Gedichtes.

„Darum gilt auch dir die Freude,
die uns widerfahren ist,
denn geboren wurde heute
auch dein Heiland Jesus Christ!“

Sr. Mirjam Dinkelbach OCist